24.09.2018

Mittagstisch beim Caffé Treff (www.leutwilers.ch) in Muhen

Interview Andreas Urech, Gemeindeammann

Beim vom Gewerbeverein durchgeführten Mittagstisch kommen Mitglieder des Vereines zusammen, um sich auszutauschen und weg vom Geschäft Zeit miteinander zu verbringen. Nach dem ersten, bereits schon erfolgreichen, Mittagstisch im Juni dieses Jahres fand der zweite, heute durchgeführte, noch mehr Anklang. Es waren einige da, auch der Gemeinderat war gut vertreten. Auch dieses Mal sorgte der Vorstand für einen Überraschungsgast mit kurzem Interview. Es handelte sich um Andreas Urech, Gemeindepräsident von Muhen und langjähriges Mitglied des Gemeinderates. Als jüngstes Mitglied eines Gemeinderates, das der Kanton Aargau je hatte, durfte er auch schon in den Medien Rede und Antwort stehen. Diesmal also im kleinen Umfang, beim Mittagstisch im Café Treff Muhen.

Hallo Andreas, danke dass du dir Zeit nimmst für diesen Austausch. Du bist der jüngste Gemeindeammann, den Muhen je hatte und warst bereits zuvor das jüngste Mitglied des Gemeinderates. Kriegst du das zu spüren? Wenn ja, wie?
Nun, eigentlich hat man es mich kaum spüren lassen. Klar, es war schon seltsam, insbeson-dere zu Beginn als ich mit 28 Jahren in den Gemeinderat eintrat und vergleichsweise sehr jung war. Heute mit fast 40 sieht das schon wieder anders aus, zudem habe ich mir die grauen Haare zugelegt, das macht es einfacher (lacht). Nein im Ernst, die Zeit als Mitglied im Gemeinderat hat mir sehr geholfen, es war ein super Einstieg. Zudem ist es ein tolles Team, das mich bei meinem Weg immer unterstützt hat.

Du sagtest einst in einem Interview du wärst durch Hans Hunziker den Vater deines Nachbarn, auf den Posten aufmerksam geworden. Was waren sonst noch Motivatoren, sich dieser Arbeit zu verschreiben?
Also ich komme ja schon aus dem Gemeindewesen, habe meine Lehre damals bereits auf der Gemeinde gemacht. Es war dann letztlich eher Zufall. Der Gemeinderat suchte nach ei-nem neuen Mitglied und ich wurde angefragt im Sinne von «es sind nur ein paar Sitzungen, denen du beiwohnen musst, nichts Grosses». Natürlich gestaltet sich die Realität oft anders aber für mich war der damit zusammenhängende Aufwand auch nicht entscheidend. Ich wollte mich am Geschehen beteiligen, wollte dem Dorf, in dem ich lebe, etwas zurückgeben. Das war für mich letztendendes der Hauptgrund.

Wie muss man sich die Aufgaben, die ein Gemeindeammann in Muhen hat, vorstellen? Was sind deine Kompetenzen und Verantwortungen?
In erster Linie muss der Gemeinderat geführt und das Dorf nach aussen vertreten werden. Damit ist es eine repräsentative Aufgabe. Zudem kommen alltägliche Arbeiten wie der Kon-takt zu diversen Verwaltungen anderer Ortschaften und vor allem auch der Austausch mit diversen Kommissionen. Es ist also viel Büroarbeit, zentral ist aber eben auch die Teilnahme an öffentlichen Anlässen und das Repräsentieren des Dorfes und der Gemeinde.

Was macht dir an der Arbeit im Gemeinderat am meisten Spass? Was sind die grössten Herausforderungen dabei?
Am meisten Spass macht mir der Kontakt zu meinem Mitmenschen, sei das im Gemeinderat selbst aber auch mit all den anderen Menschen, mit denen man im Zuge dieser Arbeit in Kontakt kommt. Grosse Herausforderungen gibt es natürlich auch. Gerade vor zwei Jahren, als das Thema Waldegg überall in den Zeitungen war, lernte ich den Umgang mit den Medi-en kennen und musste auch lernen, dass man manchmal A sagt, aber C gedruckt wird. Das ist nicht immer einfach. Aber das gehört nun mal dazu. Vernehmlassungen sind auch nicht so mein Ding (lacht und sieht zu Gemeinderats Kollegin Corinne Schär), da quält man sich manchmal so durch. Alles in allem macht es mir aber wirklich sehr Spass!

Was würdest du jungen Menschen empfehlen, die sie sich in der Politik oder sonst im Öffentlichkeitswesen engagieren möchten? Oder anders, wie würdest du junge Menschen dazu motivieren, sich zu beteiligen?
Jedes Jahr die Jungbürgerfeier: Ich nutze die Gelegenheit um mit den Jugendlichen in Kon-takt zu kommen und die Politik etwas schmackhafter zu machen. Ich würde ihnen mitgeben, dass sie es doch einfach mal ausprobieren sollen (lacht). Das klingt seltsam aber ich glaube eben, viele trauen sich eine solche Position nicht zu. Aber man muss eben nicht alles können, man sollte Mut zu Neuem zeigen. Ich weiss, viele wollen es auch nicht, weil es mit einem grossen zeitlichen Aufwand verbunden ist. Aber es lohnt sich: Es ist eine Schule fürs Lebens. Zur Motivation und Anregung bietet sich auch die von der Gemeinde organisierte Jugendar-beit und der Jugendtreff. Wobei man da auch nicht hin kann und sagen «Komm doch in den Gemeinderat». Aber man hat eine Anlaufstelle.

Das wäre es von meiner Seite. Hat jemand von den Anwesenden allenfalls noch eine Frage an Andreas? 
Roger Zimmermann (Maler Muhen) meldet sich: Was sind deine nächsten politi-schen Ziele?

Keine, Gemeindeammann ist mir genug. Ich bin gerne Teil davon, es geht noch um die Sa-che, darum, etwas zu bewegen, zu ändern, für die Leute aus dem Dorf. Die Parteizugehörig-keit kann in der politischen Karriere schnell einmal zum Klotz werden, man muss dem Par-teibuch folgen, ob man will oder nicht. Im Gemeinderat sind wir auch unterschiedlicher Par-teien angehörig, können aber problemlos die beste Lösung für alle finden, ohne einer politi-schen Agenda zu folgen. Es ist tolle Teamarbeit, mit bekannten Gesichtern. Das ist es, was mir Spass macht.

Super, danke dir vielmals Andreas für das spannende Interview! Alles Gute!